Towers Wattson Wiesbaden

In der Fotografie ist der eingenommen Standpunkt ein zentraler Bestandteil der Bildgestaltung. Die Werkreihe „Gegenwelten“ des Stuttgarter Künstlers Kurt Laurenz Theinert spielt mit dieser Tatsache. Gibt es einen „richtigen“ Standpunkt? Gibt es von einem Standpunkt eine „richtige“ Sichtweise oder Perspektive? In seinen Arbeiten ergänzt Theinert das gefundene, meist abstrakte Bildmotiv durch ein zweites. Dafür dreht er sich auf dem eingenommenen Standpunkt einfach um 180° und fotografiert das, was sich zufällig im Rücken des ursprünglichen Motivs abspielt. Eine zuvor nicht wahrgenommene Gegenwelt kommt ins Spiel. Das Ergebnis ist ein Bildpaar, das ständig im Dialog ist, der sich niemals auflöst. Gute Beratungstätigkeit bringt ebensolche unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven ins Spiel. Es geht um Flexibilität der Blickrichtung um ein Entdecken im Ungewohnten und um den Dialog mit dem als alleingültig Geglaubten.

Drei weitere großformatige Arbeiten – über vier Wände verteilt – interpretieren das Thema „Gegenwelten“ durch die grundsätzliche Form-Inhalt-Thematik in der bildenden Kunst. In diesem Fall ist die Form der gebaute, physische, architektonische Raum der als Inhalt die immaterielle, geistige Arbeit von Towers Watson beheimatet. Architekturaufnahmen vor Ort wurden abstrahiert und in dynamische Perspektivformen verwandelt, die als graue Flächen den Kontrapunkt zu den kupferfarbenen künstlerisch verfremdeten Formeln und Schaubildern bilden. Diese sind Ergebnis und Werkzeug der täglichen Beratungstätigkeit.

Das Licht spielt mit den unterschiedlichen Folienoberflächen. Je nach Blickwinkel schimmern die kupferfarbenen Flächen heller bzw. dunkler als die seidenmatt grauen, die wiederum mit dem silber metallischen Grundton der Wand einen flüchtigen Lichtdialog eingehen. So spielt Immaterielles mit der Form und gleichzeitig bietet das Materielle die Grundlage für das Spiel von Form und Inhalt.

Samuelis Baumgarte Art Consulting, Bielefeld.