Visual Piano, Lichtströme Koblenz 2011

Projizierte Theinert seine Lichtzeichnungen zunächst frontal auf eine Leinwand, erlaubt ihm die 360°-Projektionstechnik heute die Ausdehnung der visuellen Betrachtererfahrung ins Räumliche. Die Intensivierung des Seherlebnisses ist verblüffend: Die Fixpunkte des verdunkelten realen Raums werden durch große und bewegte Strukturen aus Licht ersetzt, der Betrachter taucht in einen völlig neuen Kosmos aus bewegten Linien, Flächen und Farben ein. Waren in den Frontal-Performances die Reminiszenzen an die Malerei des Konstruktivismus und an andere konkrete Positionen der Kunstgeschichte unverkennbar, treten nun architektonische und technische Assoziationen in den Vordergrund. Nicht umsonst fühlt man sich bei den bewegten Linien an computergenerierte 3D-Simulationen oder an Laserstrahlen erinnert. Der symmetrische Aufbau der Projektion lässt darüber hinaus kristalline Formen entstehen, die an Gestaltungsprinzipien des Art-déco oder an die utopistischen Entwürfe expressionistischer Architektur – etwa der Gläsernen Kette – denken lassen und in ihrer psychedelischen Farbigkeit zugleich die Ästhetik der 1960er Jahre zitieren.

Winfried Stürzl

Visual Piano, Galerie Stihl Waiblingen 2008

Lichtrouten Lüdenscheid 2010

Steinbruch Piccard 2010